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Verhandlungen werden zunächst fortgesetzt

Loveparade-Prozess möglicherweise vor dem Ende

Der Loveparade-Prozess vor dem Landgericht Duisburg wird am 30. Januar zunächst fortgesetzt. Das Gericht hält aber nach knapp 100 Verhandlungstagen die Einstellung des Verfahrens gegen zehn Angeklagte für möglich, wie der Vorsitzende Richter Mario Plein am Donnerstag erläuterte. Evangelischer Seelsorger äußert Verständnis.

Bis zum 5. Februar haben Staatsanwaltschaft und Angeklagte nun Zeit zu erklären, unter welchen Bedingungen sie einer Verfahrenseinstellung zustimmen würden. Bei einem Rechtsgespräch mit den Prozessbeteiligten am Mittwoch war noch keine Einigkeit erzielt worden, ob es eine Einstellung ohne oder mit Auflagen für einzelne Angeklagte geben könne. Am Donnerstag kündigte die Staatsanwaltschaft Duisburg nun an, sie wolle prüfen, ob eine Einstellung des Verfahrens ohne Auflagen möglich sei.

Vor Gericht stehen vier Mitarbeiter der Veranstalterfirma Lopavent und sechs Bedienstete der Stadt Duisburg, darunter der ehemalige Baudezernent. Sie müssen sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten.

Vielschichtig und komplex

Bei einer Massenpanik auf dem Techno-Festival starben am 24. Juli 2010 in Duisburg 21 Menschen, mehr als 600 wurden verletzt. Die insgesamt 96 Prozesstage mit der Anhörung von zahlreichen Zeugen und Gutachtern hätten gezeigt, dass die Vorgänge um die Loveparade in Duisburg ein "vielschichtiges und sehr komplexes Geschehen" gewesen sei, sagte Richter Plein am Donnerstag.

Dennoch sei es "vertretbar, das Verfahren gegen die zehn Angeklagten einzustellen". Zwar bestehe immer noch eine hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass den Angeklagten ein Teil der ihnen zur Last gelegten Taten nachgewiesen werden könnte. Es habe sich aber auch herausgestellt, dass die Einschätzung zur Tauglichkeit des Veranstaltungsortes und der Besucherströme fehlerhaft gewesen sei. Auch dies sei wohl für den Tod von 21 Menschen und die Verletzungen einiger hundert Personen ursächlich gewesen.

Konzept wenig geeignet

Von daher müsse das Gericht prüfen, wie groß das Ausmaß der individuellen Schuld der Angeklagten sei, erläuterte der Jurist. Auch wenn den Angeklagten die vorgeworfenen Taten im Prozess nachgewiesen werden könnten, würde die Schwere der Schuld laut Plein "allenfalls im mittleren Bereich" liegen. Schuldmindernd wäre zu berücksichtigen, dass das Konzept für die Großveranstaltung ebenso wenig geeignet gewesen sei wie der Ort selbst. Die heute für Großveranstaltungen geltenden Vorschriften in Sachen Sicherheit hätten damals noch nicht existiert.

Auch die Polizei, die Ordner und die Feuerwehr hätten Fehler gemacht, so Plein. Die Angeklagten seien damals weitgehend gezwungen gewesen, eigene Regelungen zu erstellen, sagte der Richter weiter. "Der Blick auf das große Ganze dürfte dabei oftmals zu kurz gekommen sein."

"Kollektives Versagen"

Weil bei der Planung und Durchführung der Loveparade damals viele Organisationen und Personen beteiligt waren, sei die Katastrophe wohl auf ein "kollektives Versagen in der Durchführungsphase" zurückzuführen. Auch die Staatsanwaltschaft habe im Rechtsgespräch erklärt, den Angeklagten sei "kein vorsätzliches Verhalten" vorzuwerfen, hieß es.

Die Nebenkläger-Anwälte sähen ebenfalls eine "eher geringe Schuld" der Angeklagten. Die Verteidiger der Angeklagten hätten von einer "fahrlässigen Nebentäterschaft" ihrer Mandanten gesprochen.

Seelsorger: Verständnis für mögliche Einstellung

Der evangelische Pfarrer und Vorstand der Stiftung "Duisburg 24.7.2010", Jürgen Widera, äußert Verständnis für ein mögliches Ende des Loveparade-Prozesses ohne eine Verurteilung der zehn Angeklagten. Die Begründung des Vorsitzenden Richters des Landgerichts Duisburg sei "nachvollziehbar" gewesen, sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Er habe das im Dezember 2017 begonnene Verfahren "intensiv verfolgt" und sei oft vor Ort gewesen. Im bisherigen Verlauf des Prozesses sei abzusehen gewesen, dass den zehn Angeklagten eine individuelle Schuld an dem Unglück nur schwer nachzuweisen sein dürfte. Insofern sei die am Donnerstag offiziell verkündete Entscheidung des Gerichts nicht überraschend gekommen, betonte Widera. Das Landgericht schlägt eine Einstellung des Verfahrens - zum Teil gegen Zahlung einer Geldauflage - vor.

Nicht leicht für manche Opfer und Angehörige

Für manche Opfer oder Angehörige sei es nicht leicht gewesen, das zu hören. Es habe die ganze "Bandbreite" an Emotionen gegeben, sagte Widera, der über die Stiftung die seelsorgliche Begleitung für die Opfer, Angehörigen und Zeugen in dem Mammutprozess anbietet.

Vor allem eine Familie aus Spanien und eine Mutter aus Italien hätten mit erkennbarem Unverständnis auf den Vorschlag des Gerichts reagiert. "Es gab aber auch Verständnis", betonte Widera. Manche hätten auch das Gefühl, dass es gut ist, wenn das Verfahren jetzt bald zu Ende geht. Eben auch deshalb, weil der Prozess "immer wieder Wunden" aufreißt.

Stiftung wird Kontakt halten

Widera geht davon aus, dass auch nach einem Ende des Strafverfahrens die aus dem Ausland kommenden Opfer und Angehörigen weiterhin ein Interesse daran hätten, sich am 23. und 24. Juli zum Gedenken an die Toten und Verletzten des Loveparade-Unglücks in Duisburg zu treffen. Über die Stiftung solle auch weiterhin Kontakt zu allen Betroffenen und Familien gehalten werden. "Das läuft nicht auseinander", zeigte sich der Pfarrer zuversichtlich.

Vor allem mit Blick auf den zehnten Jahrestag des Unglücks im kommenden Jahr soll die bisherige Form des jährlichen Gedenkens fortgesetzt werden. Danach müsse man prüfen, inwieweit diese Art von Treffen auch künftig noch Sinn machen oder ob es ratsamer sei, "neue Formen" des Gedenkens zu finden.

Hoher Bedarf an seelsorglicher Begleitung

Grundsätzlich positiv bewertete Widera die seelsorgliche Betreuung, die über die Stiftung im Loveparade-Prozess vermittelt wurde. Es habe einen "hohen Bedarf an Begleitung" gegeben, sagte er. Auch das Gericht habe die Arbeit der Seelsorger ausdrücklich gewürdigt.

Dabei habe sich aber erwiesen, dass es sich bei den Ratsuchenden weniger um Betroffene gehandelt habe als vielmehr um Zeugen - etwa von Einsatzkräften der Polizei. In dem Congress Center Düsseldorf, in dem der Strafprozess stattfindet, ist an jedem Prozesstag ein Seelsorger oder Psychologe vor Ort, zudem hält sich ein weiterer Experte in Rufbereitschaft.
 

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epd / 18.01.2019



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